Im Fokus

Im Themenbereich unseres Kursmagazins portraitieren wir Menschen, die unsere Arbeit bereichern.  

Engagement, Herzblut und Empfinden von Sinn

Maya Bucher-Slanzi (67) aus Sarnen lebt ein bewegtes Leben – auch für Pro Senectute Obwalden, wo sie seit 15 Jahren verschiedene Sportkurse leitet. 

lachende gepflegte Seniorin und Sportleiterin im Tennis-Dress

«Ein Leben ohne Sport wäre für mich wie ein Leben ohne Zigarette für eine Raucherin.»

Frau Bucher-Slanzi, wofür schlägt Ihr Herz?
Für mehrere Dinge: Ich liebe Menschen, die Natur, Tiere, aber auch Kultur. Meine grosse Liebe gilt seit meiner Kindheit dem Sport. Egal ob Reiten, Tanzen, Tennis oder Skifahren: Bewegung ist meine Leidenschaft. Es war auch mein Wunsch, Sportlehrerin zu werden. Aber dann kam es ein bisschen anders.

Wie denn?
Damals musste man zuerst eine Berufslehre absolvieren, bevor man sich zur Sportlehrerin weiterbilden konnte. Da ich Kreativität liebe, lernte ich Coiffeuse. Nachdem ich in Sarnen meinen Coiffeursalon aufgebaut hatte, passte es aber nicht mehr so, für eine fünfjährige Ausbildung nach Magglingen zu gehen. Ich führte schliesslich den Salon neun Jahre lang, bevor ich Kinder bekam.

Der Sport fand dennoch zurück in Ihr Berufsleben.
Genau. Mit dreissig musste ich mich einer Rückenoperation unterziehen und mich im Anschluss mit meiner eigenen Heilung beschäftigen. Meine Mutter empfahl mir das Aquagym der Rheumaliga, und diese Methode half tatsächlich sehr. Kurz, nachdem ich damit angefangen hatte, wurde ich angefragt, ob ich nicht selbst Leiterin werden wolle, und machte darauf eine Ausbildung in Wassergymnastik. Seit 37 Jahren bin ich nun fester Bestandteil des Teams. So kam ich schlussendlich doch zu dem, was ich ursprünglich vorgehabt hatte – zusammen mit vielen anderen Engagements bei Pro Senectute, Vitaswiss, PluSport und der Behinderten Sportgruppe Obwalden.

Woran erinnern Sie sich besonders?
Sechzehn Jahre lang leitete ich polysportive Lager mit Behinderten mit. Das war schon ein Highlight. Zum Beispiel machten wir mit sehbehinderten Menschen Touren im Hochgebirge, oft durch wegloses Gelände. Natürlich mit 1:1-Betreuung und teilweise auch mit Unterstützung von Blindenhunden. Das war sicher das Forderndste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe, und auch das Inspirierendste. Was diese Menschen für einen Willen an den Tag legen, können wir Sehenden uns gar nicht vorstellen.

Was bedeutet Ihnen Ihr Engagement für Pro Senectute?
Sehr viel. Es ist mir wichtig, etwas für ältere Menschen tun zu können, und es passt perfekt zu dem, was ich vorher schon gemacht habe. Seit 15 Jahren gebe ich Kurse in Wassergymnastik, dazu kam das Angebot «Bewegung im Heim». Ausserdem bin ich Springerin, wenn einmal eine Leiterin ausfällt.

Kennen Sie freie Tage?
Ja, aber Ausschlafen gab es für mich nie. «Mein freier Tag ist mein wichtigster Tag, den darf ich nicht verschlafen», sagte ich mir schon immer. Ich stand immer früh auf und machte natürlich – Sport. Fitness gibt mir einfach Lebensqualität: Wenn die Beweglichkeit zurückgeht, vergeht auch die Freude ein wenig. Darum ist es mir wichtig, da für ältere Leute etwas zu tun.

«Eine Präsenz kann genauso viel bewirken wie ein Tun.» 

Was bedeutet Engagement für Sie?
Es ist ja bereits ein Engagement, Familie zu haben. Ich bin auch seit 40 Jahren bei den Samaritern und helfe etwa an Sport-Events oder beim Blutspenden. Ich denke einfach, wir Menschen sollten zu jeder Lebenszeit füreinander da sein. Man kann jemandem auch noch etwas geben, wenn man im hohen Alter oder körperlich nicht mehr so fit ist – durch seine reine Anwesenheit. Das geht heute ein bisschen verloren.

Sie setzen sich stark für andere ein. Was ziehen Sie für sich selbst daraus?
Die Dankbarkeit der Menschen ist enorm. Sie spüren, wenn man etwas mit Freude und Engagement macht – und das kommt zurück. Im Sport ist es eine grosse Befriedigung für mich, zu sehen, dass die Leute Fortschritte machen und ich ihnen ein bisschen mehr Lebensqualität bringen kann.

Glauben Sie, das Engagement fehlt heute ein bisschen in der Gesellschaft?
Früher nahmen sich die Leute in meinem Empfinden mehr Zeit für Freiwilligenarbeit. Heute findet man dafür fast niemanden mehr. Gleichzeitig frage ich mich aber, ob es altmodisch ist, so zu denken. Ich höre ja oft, dass es die Jungen heute auch nicht mehr einfach haben. Gerade darum finde ich es wichtig, dass diejenigen, die ein Engagement leben können, das auch tun. Es ist aber auch wichtig, sich selbst dabei nicht zu vergessen. Auch ich will lernen, mir mehr Zeit für mich zu nehmen. Ich bin ja inzwischen Grossmutter, auch das braucht Zeit. Und ich würde gerne etwas mehr in die Ferien fahren.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Ausser Gesundheit für mich und meine Liebsten hätte ich keinen Wunsch, denn wenn man gesund ist, kann man fast alles erreichen. Vor drei Jahren hatte ich in den Bergen einen Absturz und brach mir drei Rückenwirbel. Da hatte ich einen Haufen Schutzengel. Dadurch, dass ich eine gute Muskulatur habe, endete es weniger schlimm, als es vielleicht hätte enden können. Darum sage ich: Gesundheit gibt uns alles.

Wofür sind Sie besonders dankbar?
Ich habe sehr viel gemacht in meinem Leben und konnte dennoch immer für meine Familie da sein. Ich konnte stets mit den Kurszeiten jonglieren; das war mein Glück. Und Glück gehört immer dazu. Es kommt nicht immer einfach so hereingeschneit, aber man kann etwas dafür tun – ein Plätzchen vorbereiten, wo es sich wohlfühlt.

«Tennis liebe ich bis heute besonders. Mit Sport gebe ich mir und anderen mehr Lebensqualität. »

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