Im Fokus

Im Themenbereich unseres Kursmagazins portraitieren wir Menschen, die unsere Arbeit bereichern.  

Für mehr Genuss im Leben

Der ehemalige Engelberger Hotelier Robert Infanger leitet seit acht Jahren den Kurs 'Männerküche' für Pro Senectute.


«Es geht um den Plausch und um neue Inspirationen»

Herr Infanger, was muss man sich unter der  «Männerküche» vorstellen?
Bei diesem Kurs geht es darum, dass Männer, die pensioniert sind, lernen zu kochen – sei es, um die Partnerin zu entlasten oder einfach, um ein neues Hobby zu haben. Wir zeigen die Vor- und Zubereitung am Kursabend genau auf, dann geht es an die Arbeit. Ich und meine Frau stehen jederzeit zur Seite und beantworten Fragen. Am Schluss wird das gekochte Menü gemeinsam genossen.

Dann wendet sich der Kurs an Kochanfänger?
Grundsätzlich schon. Die Leute sind keine Profis, sondern wollen etwas lernen, das sie zu Hause anwenden können: einfach umsetzbare, abwechslungsreiche Gerichte, die Lust machen zum Nachkochen. Wir haben aber auch zwei Teilnehmer mit viel Kocherfahrung, die sich einfach freuen, neue Inspirationen vom Kurs mit nach Hause nehmen zu können. Es geht um den Plausch. Die Leute werden nicht überfordert, aber manchmal müssen sie Gas geben – für ein Voressen mit Gemüse und Kartoffeln zum Beispiel springen sie dann schon ein bisschen.

Was für Menüs werden sonst noch gezaubert?
Jedes Mal kochen wir in Gruppen ein Drei-Gänge-Menü. Die Auswahl folgt grob gewissen Themen: Zum Beispiel haben wir gutbürgerliche Gerichte, dann Menüs, die sich vielleicht auf Zutaten aus der Alpenwelt beziehen und wieder andere, die asiatisch sind, damit wir neue Gewürzwelten kennenlernen und uns getrauen, sie zu benutzen. Abwechslung ist wichtig. Wir achten auch stets darauf, dass wir saisonale Zutaten verwenden. Ich habe vor dem Kurs ein Gerüst parat davon, was ich ungefähr machen will. Am ersten Kurstag frage ich aber auch, was die Leute gerne kochen möchten. Da kommen oft gute Ideen.

Zum Beispiel?
Einmal wünschte sich jemand Hirschpfeffer. Ein anderer Teilnehmer hatte das Fleisch dazu schon vorrätig. Wir beizten es dann gemeinsam im Kurs und bereiteten es am nächsten Termin zu.

Eignet sich der Kurs für Vegetarier?
Momentan ist niemand Vegetarier, aber wir würden das Menü auch anpassen. Für Veganer hingegen wird es schwierig, das wäre wohl eher ein eigener Kurs.

Sind  in  der  Männerküche  auch  Frauen  willkommen?
Wir haben seit vier Jahren auch eine Frau in der Gruppe – sie ist alleinstehend und konnte stets im Betrieb zu Mittag essen. Darum hat sie sich gewünscht, auch mehr übers Kochen zu lernen. Ihre Teilnahme war für die Gruppe stimmig. Der Kurs ist zwar schon auch ein Gemeinschaftserlebnis von Männern für Männer, aber es geht ja vor allem darum, dass der Teil der Familie, der bisher meist nicht gekocht hat, etwas lernen und mitnehmen kann. Am letzten Kursabend laden die Teilnehmer dann ihre Frauen zum Znachtessen ein, das wir für sie kochen. Das ist  immer ein hervorragender Abend. Ich hätte noch nie eine Partnerin erlebt, die gesagt hat: «Ich komme nicht mehr» (lacht).

Dann besteht ein Bedürfnis nach mehr Kochwissen  für  Männer?
Wir haben Platz für 12 Personen; meist besteht eine Warteliste. Denn viele Teilnehmer bleiben dem Kurs über Jahre treu. So  ist die Gruppe gewachsen und konnte gemeinsam Fortschritte machen. Die Teilnehmer unternehmen inzwischen auch ausserhalb des Kurses Ausfl üge miteinander: Die Chemie stimmt, auch wenn ihre Hintergründe ganz veschieden sind. Das ist schön. 

Was für Rückmeldungen erhalten Sie von Kursbesuchern?
Verändern die neuen Fähigkeiten etwas in ihrem Leben? Oft  melden mir ehemalige Teilnehmer stolz zurück: «Heute habe ich gekocht», und erzählen, was sie vielleicht noch abgeändert oder ergänzt haben. Die Kreativität ist geweckt. Jemand erzählte einmal: «Unsere Grosskinder wollen den Käsekuchen nur noch so, wie ich ihn mache.» Die Teilnehmer haben Spass am Kurs. Die beste Rückmeldung ist jeweils: «Ich komme nächstes Jahr wieder.»

Was ist für Sie die grösste Sünde in der Küche?
Eine Küche muss tipptopp sauber sein. Wenn ich einen Kurs leite, achte ich auch sehr auf die Unfallgefahr; niemand sollte mit dem Messer herumfuchteln. Ausserdem: Vorsicht bei der Hitze! Darum arbeite ich in Gruppen kaum mit heissem Öl, da habe ich Respekt. Was ist  Ihr  eigener  liebster  kulinarischer Genuss? Heute koche ich am liebsten leichte, saisonale Gerichte, im Frühling zum Beispiel Spargeln. Ich lasse mich aber auch gerne bekochen (lacht). Früher habe ich mir zum Geburtstags-Essen zuhause immer Zunge, Bohnen und Kartoffelstock gewünscht, das ist einfach etwas Gutes.

Und was ist das Ungewöhnlichste, das  Sie  selbst  je gegessen  haben?
Ich habe zum Beispiel auch schon mal «Alpeneier» zubereitet und gegessen. Viele schaudert es, wenn sie erfahren, worum es sich dabei handelt. Dabei wird das vom Metzger alles tipptopp sauber vorbereitet. Das Fleisch ist ganz zart, ähnlich wie Milke. Als Geschnetzeltes an einer Rahmsauce schmeckt das sehr gut.

Dann plädieren  Sie  für  weniger  Berührungsängste beim Genuss?
Genau, dann entgeht einem weniger. Zum Beispiel assen wir einmal auf einer indonesischen Insel Eintöpfe, die sehr schmackhaft  waren – ich weiss aber bis heute nicht, worum es sich dabei genau handelte. Manchmal hat man mehr davon, etwas einfach zu probieren und zu geniessen, ohne zu wissen, was genau drin ist.

Im Fokus: Finden Sie den passenden Kurs.

Jetzt anmelden!