Usem Läbä

Analog zum Kursmagazin lesen Sie hier die Geschichten aus dem Leben von unterschiedlichsten Menschen.

«Mit dem Atem kann man so viel machen, das hilft in jeder Lebenslage.»

In Bewegung bleiben, mit Körper, Geist und Neugier auf die Zukunft: Das hilft Heidi Moser (60) in jeder Lebenslage.

Lachende Frau mit Jacke vor See

«Schau mal von hier aus über den See. Ist das nicht wunderbar? Diese Weitsicht über das Wasser und die Landschaft, die ordnet alles in mir neu. Hier ist meine No-Stress-Oase.»

Ich komme aus der Gastro. Ich bin am Bielersee aufgewachsen und kam nach Obwalden, um im Bürgenstock Resort zu arbeiten – im Speiseservice der gehobenen Klasse. Privat mag ich es aber lieber einfach. Durch die Arbeit im Service komme ich unter die Leute, das gefällt mir.

Auch Bewegung war schon immer mein Ding. Ich habe alle möglichen Sportleiter-Ausbildungen gemacht: Von 5 bis 100 Jahren habe ich schon jedes Alter trainiert. Ich machte eine Weiterbildung unter anderem in der Sporttherapie und führte eine Zeit lang ein Massagegeschäft – nebst meiner Tätigkeit in der Gastronomie und dem Familienleben mit vier Kindern. Ohne meinen tollen Ehemann wäre das nicht gegangen.

Den Wunsch, selbst etwas zu führen, hatte ich schon immer. Ich bin eine Macherin, ich setze gern etwas um und entwickle es kreativ weiter. Das Strandbad Sachseln mit seinem Beizli ist mein Herzensprojekt. Ich betreibe es seit 2015. Die Restaurantterrasse wurde schön renoviert, und ich habe inzwischen einige Angestellte – top Angestellte!

Von Anfang an hatte ich die Idee, hier meine Liebe zur Gastro mit meiner Liebe zur Bewegung zu verbinden und zwei, drei Mal pro Woche auf der Wiese ein Fitness anzubieten. Aber die Krankheit hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Im Herbst 2015 musste ich wegen meiner Krebsdiagnose abrupt mit allem aufhören. Mein Mann half mir aus, während ich im 2016 Operationen und Chemotherapie erhielt. Mein Badibeizli half mir über diese Zeit hinweg, denn ich wusste: Im April geht es wieder auf. Dieses Ziel vor Augen zu haben, half mir extrem. Ich hatte noch so viel vor, es gab so viel zu tun – ich hatte gar keine Zeit zum Sterben! Das ist mein Motto: In Bewegung bleiben, nicht stehen bleiben. Es muss vorwärtsgehen.

«Wir haben nur ein Leben – wir müssen tun, was sich für uns gut anfühlt.»

Seit letztem Sommer gebe ich in Form des Gesundheitstreffs wieder Trainings für Pro Senectute. Es gefällt mir, etwas für die Menschen tun. Als Erstes bewegen wir alles durch, das schmiert die Gelenke. Dann machen wir Kraftübungen mit Eigengewicht und dehnen zum Schluss. Hier gibt es überall Trainingsgeräte: Nur schon mit einem simplen Pfosten kann man eine halbe Stunde beschäftigt sein. Egal, ob 40 oder 80 Jahre alt, ob fit oder weniger, im Haltungsturnen kommen alle ins Schwitzen. Das Ganze mache ich mit vielen Witzen und Humor.

Für Pro Senectute zu arbeiten, ist schön. Es wird so viel geboten. Ältere Menschen sind meist nicht nur sehr dankbar, sondern kommen auch regelmässig. Hier finden sie einen schönen Ort, an dem sie sich an der frischen Luft bewegen können – das tut jedem gut, vor allem in Pandemiezeiten. Auch das Soziale ist wichtig. Am Ende der Lektion wird geplaudert und ausgetauscht. Von so lebenserfahrenen Menschen kann man vieles lernen. Das ist toll. Während meiner Krankheitszeit habe ich mich natürlich noch mehr mit Bewegung im Zusammenhang mit Gesundheit befasst: mit bewusster Bewegung, Mobilisation, Haltung und Atmung. Mit dem Atem kann man so viel machen, körperlich und seelisch, das hilft in jeder Lebenslage.Überhaupt nehme ich aus dieser Zeit nur Positives mit.

Ich erkannte, wie wichtig es ist, einen Gang runterzufahren und das Leben noch mehr zu geniessen. Wir haben ja nur ein Leben – wir müssen tun, was sich für uns gut anfühlt. Und nicht den Profit in den Vordergrund stellen, sondern unsere Herzensprojekte.

«Es gefällt mir, etwas für die Menschen zu tun.»

Ich bekam auch einen anderen Blick dafür, wie oft Leute streiten oder jammern über Dinge, die völlig unnötig sind. Dann frage ich mich: Wieso eigentlich? Ich würde mir wünschen, dass die Menschen einander wieder mehr zuhören und zueinander schauen, statt sich immer selbst so ins Zentrum zu rücken. Dieses «Futterneidige» ist schade. Es wäre schön, wenn wir wieder mehr Gemeinschaftlichkeit leben könnten – anderen mehr zu helfen, kann viel Zufriedenheit bringen. Ich finde, wir dürften auch wieder mehr ehrliche Komplimente aussprechen und genauso einfach annehmen. Jede/r hat ja so viele Qualitäten in sich. Es geht darum, den Menschen mehr von innen, vom Herzen her zu sehen.

Ich glaube, man kann jedem Respekt und Freundlichkeit entgegenbringen, auch wenn man das Heu nicht auf derselben Bühne hat. Wenn Gäste meinen Angestellten gegenüber unflätig werden, spreche ich Berndeutsch zu ihnen – freundlich und langsam. Das sorgt automatisch für Entspannung.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich noch mehr coole Projekte auf die Beine stellen darf. Kreativ sein zu können und mit vollem Feuer an etwas heranzugehen, das weckt meine Neugier. Es gibt immer etwas zu tun.»

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