Usem Läbä

Analog zum Kursmagazin lesen Sie hier die Geschichten aus dem Leben von unterschiedlichsten Menschen.

"Ich wünsche mir eine Zukunft, die viel Freiheit und Abwechslung ermöglicht."

Die kreative junge Frau hat viele Ideen für ihre Zukunft und ist Handy-Instruktorin für Pro Senectute.


«Ich liebe Malen und Gestalten: Ich kann dann ganz in meine eigene Welt eintauchen.»

Ich bin in Sarnen aufgewachsen. Hier lebe ich mit meinen Eltern, meinem 11-jährigen Bruder und meiner 21-jährigen Pflegeschwester. Sie kam vor fünf Jahren zu uns. Ich fand es cool, plötzlich eine ältere Schwester zu bekommen.
Wir haben ein super Verhältnis und können über alles reden. Ich selber werde im November 15 Jahre alt beginne nun mit der 3. Oberstufe.

« Die bunte, südamerikanische Kultur, die so anders ist als unsere, zieht mich an.»

Malen und Gestalten sind eine grosse Leidenschaft von mir. Ich kann dann ganz in meine eigene Welt eintauchen. Meine Liebe zur Kreativität hat sicher mit der Grundacher Schule in Sarnen zu tun: Ich besuchte sie bis zur 6. Klasse. Sie folgt einem ganz anderen System: Es gibt keine Noten und keine Hausaufgaben. Statt fixen Schulfächern gibt es Kompetenzen, die man sich aneignen kann.
Man kann selbst bestimmen, wann man womit beginnt und wann man sich bereit fühlt, darin getestet zu werden. Ausserdem haben wir dort viel gemalt, gesungen, getanzt und Theater gespielt.
Ich denke, das hat mich stark geprägt. Tanzen ist bis heute eine meiner grossen Leidenschaften, ich tanze schon seit vielen Jahren Hip-Hop an der Musical Factory Luzern. Die Oberstufe besuche ich jetzt aber an der normalen Schule, weil ich Lust hatte, mehr Gleichaltrige um mich zu haben. Es war ungewöhnlich am Anfang, weil das System ganz anders ist, alles streng geregelt und mit Noten. Ich komme aber gut klar.

Was mühsam ist, ist die Corona-Zeit. Schulanlässe wie Lager wurden abgesagt, Abschlusstheater nicht aufgeführt und Abschlussarbeiten nicht präsentiert. Das war schon schade. Die Pandemie hat aber auch gezeigt, dass man in der Freizeit noch viele andere Dinge tun kann als die, die von Öffnungszeiten abhängig sind. So waren wir viel in der Natur, im Wald oder am See. Mitte Mai gingen wir schon das erste Mal schwimmen, es hat sogar geregnet an dem Tag. Da dachten wir, wenn wir sowieso schon nass sind, können wir auch gleich baden gehen. 

In meiner Freizeit bin ich manchmal auch Handy-Instruktorin für Pro Senectute Obwalden. Da können ältere Menschen alle Fragen zu ihrem Smartphone stellen. Ich bin zwar kein extremer Profi, aber ausser bei recht komplexen Fragen kann ich Auskunft geben.
Ich habe durch Freunde von diesem Angebot erfahren und mich auch gemeldet. Ich helfe gerne älteren Menschen und komme gut mit ihnen aus. Ich verbringe auch recht viel Zeit mit meinen Grosseltern mütterlicherseits, die in Sarnen leben. Ich und mein Bruder sind zwei Mal pro Woche bei ihnen zum Zmittag, wir dürfen dann wünschen, was wir essen wollen. Meine Grossmutter macht mega feine Käsemagronen und auch Pizza. Ich koche aber auch selbst sehr gern. Auch das ist kreativ: Man kann Dinge ausprobieren,
kombinieren und Neues erschaffen. Ich blättere gerne in Rezeptbüchern oder entdecke Rezepte auf Youtube. Zum Beispiel habe ich für meine Familie einmal Kuchen und Pizza mit Haferflocken statt mit Weizenmehl gemacht. Ich lernte das Kochen früh von meinen Eltern und von der Köchin an der  Grundacher Schule.
Einmal habe ich mit einer Freundin zusammen meine Grosseltern bekocht, da waren wir elf Jahre alt. Es gab Lasagne und Orangen-Tiramisu. Meine Grossmutter war so begeistert, dass sie mich gebeten hat, es später gemeinsam nachzukochen. Ich habe sogar als Köchin geschnuppert, aber das hat mir weniger gefallen. Mir sagte mehr das Schnuppern in der Grafikfachklasse in Luzern zu.Ich würde gerne mit Gestaltung arbeiten und kann mir vorstellen, mich als Grafikerin oder Fotografin weiterzubilden.

Für meine Zukunft wünsche ich mir einen Beruf, der mir Spass macht. Kinder möchte ich keine, ich will lieber reisen gehen. Brasilien und Mexiko  interessieren mich zum Beispiel, obwohl es dort auch etwas gefährlich ist. Aber die vielfältige Natur, das Meer und die bunte, südamerikanische Kultur, die so anders ist als unsere, ziehen mich an. Ich wünsche mir eine Zukunft, die viel Freiheit und Abwechslung ermöglicht. Wenn es mir irgendwo gut gefällt, könnte ich mir auch vorstellen, dort einmal für längere Zeit zu bleiben. Meine Eltern sind früher auch viel gereist. Ihre Erzählungen inspirieren mich.
Auch im Tauchen möchte ich weiterkommen. Inzwischen habe ich das Anfänger-Brevet absolviert. Es wäre cool, tiefer hinunterzutauchen zu lernen.

«Ich könnte mir auch Unterwasserfotografie vorstellen – das ist, wie eine neue Welt zu entdecken. Vielleicht sogar mit einem Forscherteam zusammen.»

Wenn ich drei Wünsche frei hätte, wären das der Weltfrieden, die Beendigung des Welthungers und eine ausgeglichenere Verteilung des weltweiten Reichtums. Es ist ja schon krass, dass wir in der Schweiz unser Toilettenwasser trinken können und Leute anderswo verdursten. Ich wünsche mir mehr Gerechtigkeit.
Eine Person, die mich inspiriert, ist die amerikanische Pop-Sängerin Billie Eilish. Sie ist eine starke, junge Frau, die sich für die Rechte von Frauen und Homosexuellen und für Friedensprojekte einsetzt. Sie hat damit schon viel erreicht und verkörpert für mich eine vorbildliche Frauenfigur.

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