Usem Läbä

Analog zum Kursmagazin lesen Sie hier die Geschichten aus dem Leben von unterschiedlichsten Menschen.

«Beim Segeln kann ich ganz bei mir sein, total abschalten und die Natur geniessen.»

Mit Tatendrang und Leidenschaft Wünsche umsetzen und Engagement zeigen.

Rüstiger Senior auf Segeljacht, der in die Weite blickt.

«Meine beiden Leidenschaften haben einen gemeinsamen Ursprung: Das Segeln und die englische Sprache.»

Als ich 1963 in Stans meine Lehre als Maschinenzeichner bei den Pilatus Flugzeugwerken begann, wurden wir schon früh dafür sensibilisiert, wie wichtig Englischkenntnisse für die späteren Berufschancen seien. So begann ich, in meiner Freizeit Kurse zu machen. Später kündigte ich meinen Job beim Flugzeugwerk Emmen, um nach England zu gehen.

Dort war es auch, wo ich zum ersten Mal segelte – und dabei prompt im Meer landete. Ich machte einen Sprachaufenthalt in Torquay an der Südküste, und die Schule stellte den Studenten Schiffchen für die Freizeit zur Verfügung. Diese Jollen sind klein und können kentern, und so kam es auch. Aber in diesem Moment hat man keine Zeit für Angst. Ich und mein Freund hatten Schwimmwesten an und machten uns daran, die Jolle wieder aufzurichten. Die Küstenwache fuhr eine Runde um uns und vergewisserte sich, dass wir es schafften. Dabei fragten sie nur: «Are you ok?», und fuhren dann weiter. Dieses Erlebnis vor 50 Jahren war der Beginn meiner grossen Liebhaberei.

«Der Konjunktiv ist immer unbefriedigend: ‹Ich sollte›, ‹man müsste›. Da sage ich lieber: ‹Los jetzt!›»

Segeln verbinde ich mit schönen Erlebnissen, wo Leute zusammenkommen, teilweise aus vielen verschiedenen Ländern. Teamwork ist zentral. Mit meinem Salzwasser-Segelschein nahm ich 2009 Teil an einer Atlantik-Überquerung: 23 Tage lang waren wir zu acht unterwegs, von Lanzarote bis nach Guadeloupe in der Karibik. Es war ein fantastisches Erlebnis. Die Menschen vertrauen einander, Türen werden nicht ab- oder Dinge weggeschlossen.

Aber auch später verbanden sich das Segeln und das Englische in meiner Geschichte immer wieder. Inzwischen war ich von Nidwalden nach Obwalden gezogen, wo ich sehr gut aufgenommen wurde. Ein Segelfreund fragte mich an, an der Berufsschule Obwalden Englisch für Jugendliche zu unterrichten. Das tat ich dann auch – dreissig Jahre lang statt, wie ursprünglich geplant, nur zwei. Als dieses Engagement endete, meldete ich mich bei Pro Senectute Obwalden. Dort begann ich 2012, erste Englischkurse zu unterrichten. Ich setze gerne Dinge um. So habe ich vier Mal in Eigenregie eine Ferienwoche in England für die Kursteilnehmer/innen organisiert. Ziel war, nicht nur dem Land näherzukommen, sondern auch später einmal selbstständig z.B. ein Wochenende allein in London buchen und sich dabei ohne Reiseleiter durchschlagen zu können.

Darum war die Bedingung, ohne seine Partnerin oder seinen Partner mitzukommen – damit man die Fremdsprache selbst anwendete. Es war ein tolles Erlebnis. Und als wir die Kurse in der Pandemiezeit unterbrechen mussten, verschickten wir den Angemeldeten einmal pro Woche einige «English Jokes» per E-Mail – als Unterhaltung und Aufsteller. Die Leute schätzten das sehr.

Ich setze mich gerne für Pro Senectute ein, ich kenne viele nette Leute dort. Beim Thema Engagement geht es für mich um das Soziale. Ich hatte schon immer gern mit Menschen zu tun und lernte früh, auf sie zuzugehen – beispielsweise bei der Pfadi, wo ich schnell Gruppenführer wurde. Mein Pfadi-Name beim Stamm Hannibal war übrigens «Inka». Nicht wegen der Ureinwohner, sondern, weil ich es einmal beim Kaffeetrinken übertrieben hatte.

«In der Pfadi lernten wir so viel Hilfreiches: Kartenlesen, Orientierung im Wald, erste Hilfe, Organisation und Knoten knüpfen.»

«Mein Pfadi-Name war Inka, weil ich einmal zuviel Kaffee getrunken habe.»

Und der Kreis schloss sich ein drittes Mal: Nachdem Pro Senectute von meiner Leidenschaft zum Segeln erfuhr, wurde ich 2013 erstmals angefragt, einen Mini-Segelkurs anzubieten. Dieses Jahr war es wieder so weit: An drei Nachmittagen fuhren wir in einer Kleingruppe auf meinem eigenen Schiff den Alpnachersee hinaus. Die Teilnehmerinnen lernten Grundkenntnisse wie das Segelrichten, das Steuern, die verschiedenen Leinen und ihre Namen und natürlich die Sicherheitsregeln. Es kam viel Begeisterung auf, als sie selbstständig unter Wind in Richtung Stansstad segelten.

Wenn ich heute für mich selbst auf den Alpnachersee hinausfahre, ist das ein Moment der Erholung. Ich kann total abschalten, schaue auch nicht aufs Handy. Ich will dann einfach bei mir sein, die Ruhe und die Natur geniessen.

Seit eineinhalb Jahren geniesse ich auch noch mein Grossvaterdasein mit unserem ersten Grosskind. Es ist eine wunderschöne Erfahrung, auch wenn es oft eine Herausforderung ist – es ist ja lange her, seit meine eigenen Kinder klein waren. Für die Zukunft wünsche ich mir Gesundheit für meine Frau und mich, und dass ich einen netten Bekanntenkreis behalten kann. Das kann man nur, indem man aktiv ist. Engagement lohnt sich also auf jeden Fall.»

Möchten auch Sie uns von Ihrer Geschichte erzählen? Wir freuen uns, Sie zu portraitieren.

Kontaktieren Sie uns!